Anlässlich des MH-Frühjahrsempfangs 2023 in der IHK Karlsruhe sprachen IHK-Präsident Wolfgang Grenke und Prof. Dr. Thomas Koch vor gut 100 Gästen des überparteilichen Unternehmernetzwerkes „MH Mittelstand und Handwerk e.V.“


Verbrennermotoren, Elektroauto oder ganz andere Lösungen wie die eFuels- oder reFuels-Technologie – womit kann man sich in Zukunft am besten umweltschonend und energieeffizient fortbewegen? Dieser Frage gingen Referent Prof. Dr. Thomas Koch vom Institut für Kolbenmaschinen am KIT und die Teilnehmer des Frühjahrsempfangs von MH Mittelstand und Handwerk e.V. in der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe nach. Unter dem Titel "Mobilitäts-Mix von morgen - Welche Antriebssysteme werden benötigt?" stellte Thomas Koch Forschungen und Analysen sowie Thesen zum Thema vor. Auch auf falsche Vorstellungen und Mythen ging er ein. Er warf zum Beispiel die Frage auf, ob die Emissionen beim und nach dem Kochen in Innenräumen nicht sogar höher sind als diejenigen, die Autos ausstoßen. „Bereits nach sechsminütigem Betrieb werden hohe Konzentrationen erreicht“, führte der Wissenschaftler als Beispiel des Konzentrationsanstiegs der Raumluft bei einem 4-flammigen Herd an. Auch wenn man Kerzen anzünde, trüge das zum Beispiel zum Anstieg der Stickstoffkonzentration im Innenraum bei.


Lösungsvorschläge
Was ist nun zu tun? Seitdem es Partikelfilter gibt, stellt sich nach Ansicht des Wissenschaftlers nicht mehr die Frage, ob Autos die Luft verpesten, weil die „schlechten“, die Stickstoffemissionen, aus den Abgasen herausgefiltert werden. Als Beispiel brachte er Erkenntnisse über das tägliche Verkehrsvolumen in Stuttgart am Neckartor 2012. So sei, wie Koch anhand einer Graphik aufführte, zehn Meter neben der Straße der Stickstoffdioxid (NO2)-Straßeneinfluss fast nicht mehr wahrnehmbar. „Bereits 2016 wurde publiziert, dass das NO2-Thema gelöst ist. „Allerdings die Altflotte verursache noch erhöhte Immissionen“, stellte Prof. Koch fest. Unter Immissionen versteht man das Einwirken von u. a. Gefahrstoffen, Lärm, Schmutz, Strahlung auf die Umwelt. Welche Lösungen gibt es nun, wenn man Schadstoffemissionen einsparen und sich zugleich kostensparend und effizient fortbewegen möchte, neben dem Partikelfilter für (Verbrenner-) Motoren? Elektroautos hält Thomas Koch nicht für die beste Alternativlösung, da der Energieaufwand für ihre Herstellung nach wie vor sehr hoch sei. Zudem gebe es neben allen verschiedenen wissenschaftlichen sowie politischen Ansichten und Meinungen wirtschaftliche Spannungen. Vor allem Osteuropa und Südeuropa akzeptieren keine reine Elektromobilität. Thomas Koch schlägt vor, die Technologien der eFuels und reFuels-Technologien zu nutzen. 

Perspektiven
eFuels sind synthetische Kraftstoffe, die mittels Stroms aus Wasser und Kohlenstoffdioxid hergestellt werden. Auch reFuels sind regenerative Kraftstoffe, die zu einer CO2-neutralen Mobilität beitragen sollen. Nun wünscht sich der Wissenschaftler von der Politik eine klare Zusage für eFuels für LKWs sowie bis 2030 eine Einführungsstrategie für eFuels und bis 2037 eine gesamte, ganz entfernt von persönlichen bzw. politischen Interessen. „Es wäre gut, wenn unterschiedlichen Meinungen wieder aufeinandertreffen würden. Die einseitige Berichterstattung vermittelt, dass es keine Alternativen gibt. Wissenschaft ist der positive Streit um Erkenntniszugewinn, beim Ringen um die beste Lösung. Mit einem Leserbrief könne man der Einseitigkeit vieler Medien entgegentreten.
„Die Wissenschaftler könnten die Politiker durch vor allem Anwendungs-, aber auch Grundlagenforschung unterstützen“, ist sich Prof. Koch sicher.
Gregor Wick, Sprecher der Mittelstand und Handwerk e.V., bekräftigte, dass man sich auch in Zukunft nicht nur bei Frühjahrsempfängen über aktuelle Themen parteiübergreifend unterhallen wolle. Seit sechs Jahren gibt es das Unternehmernetzwerk MH. „Als Mittelständler wissen Sie, was der Mittelstand braucht: Förderung, Unterstützung in schwierigen Phasen und das Wichtigste: Bürokratieabbau. Das muss man nicht nur selbst lernen, sondern auch an die Politik vermitteln, egal, ob es zum Beispiel die Energiekrise oder die Mobilitätswende betrifft.
Wolfgang Grenke, Präsident der IHK, betonte, dass es „viel Nachholbedarf dahingehend gebe, sich miteinander über wichtige Themen austauschen. Ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement nehmen ab. Deshalb bilden solche Vereinigungen wie Sie und die Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) das Rückgrat der Gesellschaft.“